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Imkerplein

Ein Nest der Asiatischen Hornisse aufspüren · Schritt für Schritt mit dem Dochtglas

Imkerplein11 min lezen 8 lezers

Eine Asiatische Hornisse zu melden dauert fünf Minuten. Aber die Meldung eines einzelnen Tieres sagt wenig aus, denn dieses Tier kann aus einem Nest stammen, das einen Kilometer entfernt hängt. Was wirklich weiterhilft, ist ein gefundenes Nest.

Und genau da liegt das Problem. Ein Sekundärnest hängt im Sommer verborgen im Laub, zehn bis fünfzehn Meter hoch, und wird meist erst nach dem Laubfall im Oktober oder November sichtbar. Dann sind die Jungköniginnen längst ausgeflogen und das Nest hat seine Arbeit getan.

Deshalb peilen Imker und Freiwillige Nester während der Saison selbst an, mit einer erstaunlich einfachen Methode: ein Marmeladenglas, ein Stück Stoff, eine Flasche Bier und eine Uhr. Dieser Artikel erklärt Schritt für Schritt, wie das geht.

Zuerst dies: was du damit tust und was nicht

Das Dochtglas wird oft mit einer Falle verwechselt, und das ist es nicht.

  • Ein Dochtglas fängt nicht und tötet nicht. Der Docht ragt durch den Deckel, sodass eine Hornisse an den Köder kommt, ohne darin zu ertrinken. Genau darum geht es: Du brauchst ein lebendes Tier, das zum Nest zurückfliegt.
  • Das Ziel ist Richtung und Entfernung, nicht die Anzahl. Du willst wissen, wo das Nest hängt.
  • Das Nest bekämpfst du danach niemals selbst. Das ist Arbeit für einen Fachbetrieb, und der Grund steht weiter unten.

Tötungsfallen mit offener Flüssigkeit bewirken das Gegenteil. Sie fangen vor allem Schwebfliegen, Wespen, Schmetterlinge und Käfer, und die wenigen Hornissen, die darin ertrinken, können dir nichts mehr verraten.

Wann es funktioniert und wann nicht

Die Methode beruht auf einer einzigen Sache: dass eine Hornisse Lust auf Zucker hat. Das ändert sich im Lauf der Saison.

  • Mai bis Juli · die beste Zeit. Die Arbeiterinnen holen dann reichlich Kohlenhydrate für sich selbst und kommen bereitwillig ans Glas. Im Frühjahr lassen sich so auch Primärnester finden, die noch klein sind und niedrig hängen.
  • Ab August · schwieriger. Das Nest steckt dann voller Larven, und die Arbeiterinnen jagen vor allem nach Eiweiß, also nach Fleisch und nach Bienen. Auf ein süßes Glas reagieren sie weniger. In dieser Zeit ist das Beobachten am eigenen Bienenstand oft wirksamer.
  • Wetter · ruhig, trocken und sonnig. Bei starkem Wind oder Regen fliegen sie kaum, und deine Flugzeiten stimmen nicht mehr.

Was du brauchst

  • Ein Glas mit Schraubdeckel · ein leeres Honigglas ist ideal
  • Ein Stück Baumwolle oder ein Haushaltstuch als Docht
  • Einen Nagel oder eine Ahle für das Loch im Deckel
  • Helles Bier, Weißwein und Zucker · oder fertigen Wespenlockstoff
  • Lackmarker in mehreren Farben
  • Ein Markierröhrchen mit weichem Stempel
  • Eine Uhr oder die Stoppuhr am Telefon
  • Einen Kompass · der steckt auch im Telefon
  • Eine Karte oder eine Karten-App, in die du zeichnen kannst

Zusammen ist das eine Stunde Arbeit und ein paar Euro.

Schritt 1 · Das Dochtglas bauen

Mach mit einem Nagel ein Loch in den Deckel, gerade groß genug, um den Stoff hindurchzuziehen. Zieh den Docht so weit durch, dass er bis auf den Boden des Glases reicht und oben zwei bis drei Zentimeter heraussteht.

Fülle das Glas zur Hälfte mit Köder und schraube den Deckel auf. Die Flüssigkeit steigt von selbst in den Docht. Die Hornisse trinkt an der feuchten Spitze und berührt die Flüssigkeit nicht.

Ein Glas mit breitem Deckel funktioniert besser als eine schmale Flasche: Das Tier muss irgendwo landen können.

Schritt 2 · Der Köder

Das Grundrezept besteht aus gleichen Teilen:

1.helles Bier

2.Weißwein

3.Zucker

Also je ein Drittel. Eine verbreitete Variante ersetzt den Zucker durch Grenadine, was etwas schneller zu wirken scheint. Fertiger Wespenlockstoff wie Trappit funktioniert ebenfalls gut und spart Aufwand.

Warum Bier und Wein? Weil es gärt und leicht alkoholisch ist. Genau darauf fliegen Hornissen und Wespen, während Honigbienen kaum Interesse zeigen. Du lockst also dein Ziel an und nicht dein eigenes Volk.

Und aus demselben Grund: verwende keinen Honig als Köder. Zwei Gründe, beide schwerwiegend. Du lockst damit deine eigenen Bienen an statt Hornissen. Und offener Honig unbekannter Herkunft ist der klassische Weg, die zu verbreiten.

Schritt 3 · Wo du es aufhängst

Häng das Glas auf Schulterhöhe an einen offenen, sonnigen Platz, den du von drei Seiten einsehen kannst. Du musst später sehen können, in welche Richtung ein Tier abfliegt, und das geht nicht, wenn sofort ein Zaun oder eine Hecke im Weg steht.

Gute Plätze sind in der Nähe von Pflanzen, die Hornissen ohnehin anfliegen:

  • Zwergmispel · Juni und Juli
  • Schneebeere · den ganzen Sommer
  • Efeu · im Herbst, wenn sonst wenig blüht
  • Obstbäume und Fallobst · August und September
  • Dein eigener Bienenstand · wenn du dort Jagd vor dem siehst

Häng es nicht neben eine Terrasse, einen Sandkasten oder einen Gehweg. Du willst Hornissen an einen Ort locken, an dem du in Ruhe zusehen kannst, nicht in den Garten, in dem die Enkel spielen.

Hab Geduld. Manchmal sitzt schon nach einer halben Stunde eine da, manchmal dauert es zwei Tage. Fülle nach, wenn das Glas leer wird oder der Köder eintrocknet.

Schritt 4 · Hornissen markieren

Das ist der Schritt, den die meisten überspringen, und genau der Schritt, der Messen von Raten unterscheidet.

Ohne Markierung weißt du nicht, ob die Hornisse, die nach drei Minuten zurückkommt, dieselbe ist, die weggeflogen ist. Vielleicht ist es ein zweites Tier aus demselben Nest, vielleicht aus einem ganz anderen. Deine Flugzeit ist dann wertlos.

So geht es:

1.Setz das Markierröhrchen vorsichtig über das Tier, während es trinkt

2.Drück den Stempel an, bis sich die Hornisse nicht mehr drehen kann, und nicht weiter

3.Setz mit dem Lackmarker einen Punkt auf den Brustkorb

4.Lass die Farbe eine halbe Minute trocknen

5.Lass das Tier auf das Glas hinauslaufen

Nimm pro Hornisse eine andere Farbe, dann kannst du mehrere gleichzeitig verfolgen. Arbeite ruhig und ohne ruckartige Bewegungen. Eine Hornisse am Glas ist mit Fressen beschäftigt und sticht nur, wenn sie sich eingeklemmt fühlt.

Schritt 5 · Messen

Ab jetzt achtest du auf zwei Dinge.

Die Flugrichtung. Sieh, wo das Tier verschwindet, und nimm den Kompass. Notiere die Richtung in Grad, nicht als "da lang". Auf ein paar hundert Meter machen zehn Grad schon Dutzende Meter aus.

Die Flugzeit. Starte die Stoppuhr in dem Moment, in dem das Tier abfliegt, und stopp sie, sobald es wieder am Glas sitzt. Diese Zeit umfasst Hinflug, Abladen am Nest und Rückflug.

Die überall verwendete Faustregel:

Eine Minute Flugzeit entspricht ungefähr hundert Metern Entfernung zum Nest.

Drei Minuten sind also grob dreihundert Meter. Es ist eine Faustregel und keine Messung: Gegenwind, ein Umweg um einen Waldrand oder ein Tier, das unterwegs hängen bleibt, verlängern die Zeit. Deshalb:

  • Nimm mindestens fünf Messungen pro markiertem Tier
  • Verwende die kürzeste verlässliche Zeit, denn jede Unterbrechung macht sie nur länger
  • Sag lieber "zwischen 200 und 400 Metern" als eine genaue Zahl, auf die du dich dann verlässt

Schritt 6 · Anpeilen

Jetzt wird es Geometrie. Zeichne auf einer Karte eine Linie von deinem Glas in die gemessene Richtung und markiere auf der geschätzten Entfernung einen Kreis.

Versetz danach das Glas ein paar hundert Meter, am besten quer zu dieser Linie, und wiederhole das Ganze. Wo sich die beiden Richtungen kreuzen, hängt das Nest. Mit einem dritten Punkt bist du ziemlich sicher. Das ist Triangulation, dasselbe Prinzip, mit dem zwei Peilungen ein Schiff auf See verorten.

Ein zweiter Weg ist die Umzugsmethode: Du versetzt das Glas jeweils hundert bis zweihundert Meter in die gefundene Richtung und misst erneut. Die Flugzeit wird kürzer, je näher du kommst. Unter einer Minute hängt das Nest im Umkreis von hundert Metern.

Schau von da an nach oben statt auf dein Glas. Such die Flugbahn gegen den Himmel, am besten mit tief stehender Sonne im Rücken. Ein Fernglas hilft enorm. Nester sitzen oft hoch im Baum, aber auch in einer Hecke, unter einem Dachrand oder in einem Schuppen.

Schritt 7 · Melden und registrieren

Hast du ein Nest gefunden oder auch nur einen starken Verdacht, dann melde es. Selbst nichts unternehmen, auch nicht hinaufklettern, um sicherzugehen.

In den Niederlanden

Melde über waarneming.nl/go/vespa-velutina. Dort gehört es hin: EIS Kenniscentrum Insecten prüft die Meldung und gibt sie an die Provinz weiter. Melden geht auch ohne Konto.

Gib dazu an:

  • Ein Foto, auch ein unscharfes
  • Den Standort so genau wie möglich · eine Nadel auf der Karte ist besser als ein Straßenname
  • Die Höhe und worin das Nest genau sitzt, falls erkennbar
  • Deine Kontaktdaten, damit man zurückrufen kann

Rechne damit, dass eine Meldung nicht automatisch bedeutet, dass das Nest entfernt wird. Die Politik wurde 2026 enger gefasst: Provinzen lassen vor allem noch Nester entfernen, von denen ein konkretes Risiko ausgeht, und wer zahlt und wer ausführt, ist je nach Provinz und Gemeinde verschieden. Sieh auf der Website deiner Provinz oder Gemeinde nach, was dort gilt. Deine Meldung zählt auch dann, wenn das Nest hängen bleibt, denn ohne Meldungen weiß niemand, wo die Art vorkommt.

In Belgien

Melde über vespawatch.be, das an waarnemingen.be angeschlossen ist. Die Nachverfolgung läuft dort über anerkannte Bekämpfer.

Schließ dich einer Suchgruppe an

In immer mehr Regionen gibt es Gruppen von Imkern und Freiwilligen, die das gemeinsam machen. Sie haben die Markierröhrchen bereits, kennen das Gebiet und haben die Messungen vom Vorjahr. Ein Nachmittag mit ihnen bringt dir mehr bei als dieser ganze Artikel. Frag bei deinem Imkerverein nach.

Was du auf keinen Fall tust

  • Ein Nest selbst bekämpfen. Ein gestörtes Nest aktiviert Hunderte Tiere auf einmal, sie können mehrfach stechen und verfolgen dich weit. Die meisten Unfälle passieren bei Nestern, die niedrig hängen und harmlos aussehen.
  • Wasser darauf spritzen, einen Sack darüber, eine Leiter dazu. Jedes Jahr geht das irgendwo schief.
  • Tötungsfallen mit offener Flüssigkeit aufstellen. Der Beifang an Schwebfliegen und Schmetterlingen ist groß und bringt dir nichts.
  • Honig als Köder verwenden. Siehe oben.
  • Auf fremdem Grund messen, ohne zu fragen. Du stehst dort gleich mit dem Fernglas und starrst einen Baum an; kurz klingeln erspart ein unangenehmes Gespräch.

Häufig gestellte Fragen

Wie lange dauert es, bis eine Hornisse ans Dochtglas kommt?

Das ist sehr unterschiedlich. An einem guten Platz im Juni sitzt manchmal schon nach einer halben Stunde eine da. Am falschen Platz kann es Tage dauern. Lass das Glas ruhig stehen und fülle nach; versetz es erst nach ein oder zwei Tagen, wenn nichts kommt.

Funktioniert die Methode auch mit nur einem Glas?

Teilweise. Mit einem Glas bekommst du eine Richtung und eine Schätzung der Entfernung, und das ist für eine Meldung schon wertvoll. Für eine echte Ortsbestimmung brauchst du einen zweiten und am besten dritten Messpunkt, oder du versetzt dasselbe Glas Stück für Stück in die gefundene Richtung.

Ziehe ich mit einem Dochtglas zusätzliche Hornissen an meinen Bienenstand?

Du lockst an, was ohnehin da ist. Ein Dochtglas holt keine Hornissen aus einem anderen Gebiet herbei; es macht sichtbar, was in der Nähe unterwegs ist. Willst du trotzdem Abstand halten, häng es einige Dutzend Meter von deinen Beuten entfernt auf.

Darf ich eine Hornisse fangen und markieren?

Die Asiatische Hornisse steht auf der europäischen Liste invasiver gebietsfremder Arten und ist nicht geschützt. Markieren und Freilassen zu Forschungs- und Suchzwecken ist in Suchgruppen gängige Praxis. Achte aber genau darauf, welche Art du vor dir hast: Die Europäische Hornisse ist geschützt und darf weder gefangen noch bekämpft werden.

Was, wenn ich das Nest finde, es aber niemand entfernt?

Das kann passieren, zumal Provinzen nur noch Nester mit konkretem Risiko entfernen lassen. Deine Meldung bleibt trotzdem nützlich, denn sie prägt das Bild der Ausbreitung mit. Liegt das Nest auf deinem eigenen Grundstück und soll es trotzdem weg, kannst du einen Fachbetrieb beauftragen; rechne je nach Höhe und Zugänglichkeit mit neunzig bis zweihundert Euro.

Kann ich dafür auch eine Kamera oder Drohne einsetzen?

Zum Verfolgen von Flugbahnen wurden erprobt, mit wechselndem Erfolg. Für die meisten Menschen sind Fernglas und Geduld praktischer. Flieg auf keinen Fall eine Drohne auf ein Nest zu: Das ist gefährlich für das Gerät und für alle darunter.

Zum Schluss

Anpeilen ist eine Fertigkeit, kein Trick. Das erste Mal dauert einen Nachmittag und bringt vielleicht nichts. Beim zweiten Mal weißt du, worauf du achten musst, und beim dritten Mal stehst du plötzlich unter einem Baum mit einem Nest darin.

Das Schöne daran ist, dass die Ausrüstung nichts hermacht. Ein Marmeladenglas, ein Stück Stoff und die Bereitschaft, eine Stunde still zu stehen und zu schauen. Das reicht, um etwas zu finden, das aus dem Auto oder vom Schreibtisch aus unauffindbar ist.

Willst du wissen, wie du die Asiatische Hornisse erkennst und von der Europäischen unterscheidest, lies zuerst unseren Artikel über Erkennen und Melden. Was sie mit deinen Völkern macht und wie du deine Beuten schützt, steht im Artikel für Imker.

Hast du selbst angepeilt oder kommst du irgendwo nicht weiter? Teil es im Forum unter Bijengezondheid & Ziekten. Messungen aus verschiedenen Ecken des Landes sind genau das, was diesen Ansatz besser macht.

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